It’s There But It’s Not There.


from 2016/03/04 until 2016/03/26

Andreas Gloel

 

It's There But It's Not There. 
Katharina Fengler, Andreas Gloël, Ani Schulze 
Kuratiert von Julia Wirxel 

Ausstellung 05.03. bis 26.03.2016 
Eröffnung am 04.03.2016, 19 Uhr 
Gespräch in der Ausstellung mit Katharina Fengler und Julia Wirxel mit Sehbehinderten und weiteren Interessierten
in Kooperation mit dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) am 26.03.2016, 15 Uhr

english:

It's There But It's Not There. 
Katharina Fengler, Andreas Gloël, Ani Schulze 
curated by Julia Wirxel 

5th - 26th of March 2016 
Opening: 4th of March 2016, 7 pm
Artist Talk 26th of March 2016, 3 pm
 

(english version below)

Sehnsucht ist „ein hoher Grad eines heftigen und oft schmerzlichen Verlangens nach etwas, besonders wenn man keine Hoffnung hat, das Verlangte zu erlangen, oder wenn die Erlangung ungewiss, noch weit entfernt ist" (Wörterbuch der Gebrüder Grimm, 1854)."
Die Sehnsuchtsfähigkeit des Menschen ist eine anthropologische Konstante, die durch die Parameter Kultur und Natur auf die Offenheit und Begrenzung der menschlichen Entwicklung verweisen. Das Unerreichbare, beispielsweise angesichts der Topoi der perfekten Schönheit oder des unwiederbringlich Verlorenen, ist flankiert von Spannungen. Ein Sehnsuchtsgefühl kann einerseits eine konkrete Bewegung hin zum angestrebten Ideal anregen und andererseits ein Zerbrechen an seiner Unstillbarkeit nach sich ziehen.
Die Arbeiten der drei Künstler_innen berühren ein Gefühl von Sehnsucht als Ort, als Raumbild, als Fläche, als Oberfläche, als Material, als Farbe, als Effekt, als Geschmack, als Zeit, als Moment des Glücks, vor allem aber als Projektion.
Ani Schulze erinnert mit der Wahl des ursprünglich in 16 mm gedrehten Films an vergangene Technikstandards und Zeiten, in denen dieses Filmformat vor allem für die private Sphäre eine Erweiterung vom Foto zum Bewegtbild und ein "realeres" Festhalten des Vergänglichen und bald Verlorenen beschwören. Spätsommerliches Nachmittagslicht in dem sich Stadt und Natur vereinen, versprechen Leichtigkeit - unterstützt durch die Kamerabewegungen. Eine mögliche Schwere liegt außerhalb des Gefilmten, rätselhafte Reflexionen in den Dialogen.
Einen verlockenden Reiz verspürt man bei den Arbeiten Katharina Fenglers, denn der realistisch dargestellte Schokoriegel sieht appetitlich aus. Genauso möchte man den abstrakten Farbspuren, die um die Süßigkeit verteilt sind, näher kommen. Zahlreiche Farben sind auf einem Podest zu entdecken und auch hier lädt das Material Salzteig reflexartig zum Mitkneten ein. Erinnerungen an kindliche Vergnügungen werden angesprochen, auch aufgrund der Farbigkeit.
Der Glanz und die matte Oberfläche der Arbeiten von Andreas Gloël weisen eine verführerische Materialität auf, der Betrachter jedoch muss das haptische Verlangen unterdrücken. Die Idee eines perfekten, handgearbeiteten Schuhs ist gleichsam inhärent. Dem Antagonismus von Sehnsucht und ihrer Unerreichbarkeit oder Entfernung lässt sich auch bei den Naturausschnitten des Künstlers nachspüren, der zwar die Natur in die Kunst holt, sie aber domestiziert und an die Wand hängt.
Wie ASMR-Filme werden die Arbeiten zu Surrogaten, die ein Versprechen verkünden und bei denen der Betrachter in einem Zustand des Verlangens verharrt.

Die Ausstellung wird unterstützt vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.
Logo_Kulturamt

Bilder:

© Georg Parthen, VG-Bildkunst


english:

Longing is “a high grade of an intense and often painful yearning for something, especially if there is no hope to get any satisfaction of the desired or, if the satisfaction of the wish is uncertain or far away" (Grimm's dictionary, 1854). The human ability of longing is an anthropological constant referring to the openness and boundaries of human development and that is influenced by culture and nature. If we consider e.g. the topoi of the perfect beauty or the irrecoverable loss, the unreachable is accompanied by tensions. On the one hand a feeling of longing may trigger a concrete move towards the desired ideal, and on the other hand it may entail a breakdown by holding on to the impossible idea of fulfillment. The works of the three artists picture a feeling of longing as a place, a three-dimensional image, as plain, surface, material, colour, effect, taste, time, a moment of happiness, but most of all as a projection. By using an originally 16 mm film Ani Schulze evokes outdated standards of technique and bygone times. This format was mainly used in a private domain as an evolution of the photo technique towards the moving image and a more "real" possibility of preserving the ephemeral and soon to be lost. In the light of a late summer afternoon, town and nature are unified and - supported by the camera’s movement - promise easiness. Outside the filmed scenes lies a possible seriousness and by reading the subtitles you will find mysterious reflexions. The realistically presented chocolate bar looks appetizing,thus you feel a tempting stimulus by studying Katharina Fengler's works. In the same way you would like to get closer to the abstract colour traces that surround the sweetness. Numerous colours can be recognised on a pedestal. Salt dough as a material entices you immediately to touch and knead it. Childhood memories are recalled, partly because of the colourfulness. The works of Andreas Gloël show a seductive materiality represented by the shiny and matt surfaces, but the beholder has to suppress their wish of touching it. The idea of a perfect, handmade shoe is inherent. While looking at the artist's excerpt of nature you feel the antagonism of longing and its elusiveness or distance. Andreas Gloël grafts nature onto the domain of fine arts, but tames the natural material by nailing it to the wall.

image credits:

© Georg Parthen, VG-Bildkunst

 

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