Video Screening: Of Beast and Man


from 2019/01/11 until 2019/02/09

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Of Beast and Man  
Simone Haeckel, Thomas Hawranke, Ingela Ihrman, Ute Hörne und Mathias Antlfinger, Neozoon, Juliane Zelwies

Ausstellung 12.01.2019 - 02.02.2019
Eröffnung, 11.01.2019, 19 Uhr 

English: 

 Of Beast and Man 
Simone Haeckel, Thomas Hawranke, Ingela Ihrman, Ute Hörne und Mathias Antlfinger, Neozoon, Juliane Zelwies 

Exhibition 12.01.2019 - 02.02.2019
Opening, 2019, January 11, 7 pm

Bild/Image: ©Thomas Hawranke, Grand Ape Town, Machinima, 1920 X 1080P, 13:30 Min.

Of Beast and Man

Was oder wer ist Mensch, und wer ist hier Tier? Wo herrscht die Wildnis, und wer domestiziert wen?

In der Ausstellung „Of Beast and Man", die sechs von Künstlern des Projektraums ausgewählte Videoarbeiten vereint, erscheinen die Grenzen unscharf. Dazu entsprechend sind die Arbeiten als Videoscreening im Schaufenster des Projektraumes SCOTTY präsentiert, zu sehen von außen im öffentlichen Raum sowie im Ausstellungsraum mit Ton. 
Nachgespürt wird dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier, umkreist werden Fragen nach Identität, Performativität und Rollenverhältnissen. Die Welten, in denen wir den Menschen und Tieren begegnen, oszillieren zwischen vermeintlicher Natürlichkeit und computeranimierter Konstruktion. Doch ob Dokumentation oder künstlerische Inszenierung, fragwürdig und irritierend wirkt beides. 
So beobachtet der Betrachter in der Arbeit „Two Homes“ (2013) von Ute Hörne und Mathias Antlfinger einen Papageien, der als Haustier einen aufwendig gestalteten Spiel- und Aufgabenparcours durchläuft und zwischendurch immer wieder von einer Hand liebkost wird. Es stellt sich schnell die Frage, wer hier wem Nähe spendet und welche Abhängigkeit schwerer wiegt - die des Papageien oder die der japanischen Frau, die ihn spielend, kuschelnd und schlafend filmt. In einem parallel dazu laufenden Video wird dem emsig Slalom laufenden und rutschenden Papageien eine lagerhallenartige Anlage in einer namenlosen Landschaft gegenübergestellt. Die monotone Bewegung von Windmühlen im Hintergrund, sich in einer leichten Brise bewegende Gräser im Vordergrund. Daß es sich hier um eine Geflügelfarm handelt, erfährt der Betrachter erst im Begleittext. Die Szenen - häusliches Idyll und anonymer Ort der Massentierhaltung - werden durch den Gesang eines Abendliedes akustisch miteinander verbunden. Gesungen wird von Tieren - ob zahm oder wild - die nach Hause kommen, wenn der Tag sich dem Ende neigt.
Wilde Tiere, die gab es mal. In den Aufnahmen von „Shake, Shake, Shake“ (2016) liegen sie alle schon zu Füßen der stolzen, wilden Männer. Diese posieren meist in Zweiergrüppchen über der erlegten Beute und schütteln sich anerkennend und selbstzufrieden die Hände. Die Perversion des Moments wird durch den künstlerischen Eingriff des Künstlerkollektivs Neozoon noch überspitzt: Sie animieren die gefundenen Photos, indem sie den Händedruck in eine endlose Geste der Wider- und Lächerlichkeit verwandeln.
Weniger eindeutig erscheint die Wildnis in "Grand Ape Town“ (2016). Ob das künstlich animierte Waldidyll der Eingangsszene oder der Großstadtdschungel, in dem Mensch und Schimpanse in produktiver Ko-Existenz leben und über ethische Fragen wie Grundrechte für Lebewesen sinnieren, alles ist irgendwie Dystopie. Kein Wunder, denn entnommen ist die Stadt einem Computerspiel. Doch der Künstler Thomas Hawranke versteht es, die Ästhetik der simulierten Welt durch hintersinnige Modifikationen mit philosophischen Fragen nach dem Wir und dem Anderen zu unterfüttern.
Fragen nach Macht und Hierarchie spielen, wenn auch weniger politisch, auch im Alltag eines Schäfers in der ländlichen Provinz eine Rolle. Juliane Zelwies zeigt in ihrer Arbeit „Der Schäfer / The Shepard“ (2018) das komplexe Dreiecksgefüge zwischen Mensch, Hund und Schafherde. Dokumentiert wird ein Hütehund-Wettbewerb, bei dem durch Bewegung und Pfiffe auf einem festgesteckten Parcours zwischen den drei Parteien kommuniziert wird. Trotz eintrainierter Abläufe scheint auch hier die Dynamik zwischen den Beteiligten nicht eindeutig. Zelwies gelingt es, eine inhaltliche wie formale Ambivalenz entstehen zu lassen. Mal überwiegt der Eindruck ländlichen Idylls, mal dominieren pickup trucks das Bild. Mal erscheint die Gruppe im Einklang miteinander um dann wieder scheinbar ziellos auseinander zu strömen. Das Rauschen des Windes und das andauernde Pfeifen verleihen der Szene etwas Unverfälschtes, aber ebenso Verstörendes. 
Auch die Tiere in den Arbeiten „Ohne Titel (Loop)“ (2015) von Simone Haeckel und „Paddan (The Toad)“ (2013) von Ingela Ihrman folgen festgelegten Bewegungsmustern. Zwar erscheint das Laufen der Ziege wie eine abgestimmte, fast demütige Performance, jedoch beschränken sich die gedrehten Runden auf den engen Radius, den die Kette an ihrem Hals zulässt. Hospitalismus als unfreiwillige Choreographie für die Kamera. Der letzte Parcours wird von einer Kröte in einer Turnhalle bewältigt. Das Tier, oder der Mensch als Tier, bewegt sich behäbig und ungelenk durch die Szenerie. Unambitioniert versucht sie sich am Ring oder Balken oder Bock. Aber wem versucht sie da etwas zu beweisen? Und falls überhaupt, als Mensch oder als Tier? Ingela Ihrmans Arbeit ist ein leichtfüßiger Beitrag zu den oftmals sehr moralisch verhandelten Fragen zum Dualismus zwischen Mensch und Tier. 

Was oder wer ist Mensch? In jedem Fall ein Lebewesen, das unsicher ist und unsicher macht. Und allen sechs Arbeiten gelingt es wunderbar, diesem Gefühl der Verunsicherung weiteren fruchtbaren Nährboden zu liefern. 

 Künstler:

Simone Haeckel, Thomas Hawranke, Ingela Ihrman, Ute Hörne und Mathias Antlfinger, Neozoon, Juliane Zelwies