Revolution


from 2013/07/26 until 2013/08/17

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Funda Özgünaydin  
mit Deniz Beşer / Eva Noack  

Ausstellung vom 27.07. – 17.08.2013,  
Eröffnung am Freitag, 26.07.2013, 19 Uhr 

Eine vertrocknete Rose am Tropf, das ist ein starkes Bild. Für viele ein Symbol für Jugend und Eros, für das pralle Leben, zeigt uns diese sterbende Pflanze in Funda Özgünaydins Installation „Intensive Care“, wie machtlos wir trotz aller wissenschaftlichen Errungenschaften und ständiger Versuche gegen den Lauf des Lebens – und des Sterbens sind.  
Die Rose, eine Symbolpflanze für die hellen und dunklen Seiten, die Widersprüche des Lebens, sie verkörpert für uns Vollkommenheit, Schönheit, Anmut und Lebensfreude, die Liebe und den Eros, aber auch das rote Blut, den Tod und die Vergänglichkeit, sie ist ein Sinnbild für die ewige Weisheit und das Geheimnis. Funda Özgünaydin sollte der Rose in symbolträchtiger Situation bei einem Besuch in Istanbul erneut begegnen.  
Wieder ein starkes Bild: Demonstranten auf dem Taksimplatz werfen rote Rosen auf behelmte und schwerbewaffnete Polizisten. Die Ereignisse in der Türkei haben die Künstlerin elektrisiert, die euphorische Aufbruchstimmung und kriegerische Auseinandersetzungen auf der Straße, während im Fernsehen Tierdokumentationen und Kochsendungen laufen. Nachrichten über die Proteste der Regimegegner verbreiten sich hauptsächlich über die sozialen Netzwerke im Internet. „Das ist eigentlich unsere Waffe“, sagt Funda Özgünaydin und wiegt ihr Smartphone in der Hand.
 
Geboren in Frankfurt am Main, mit einem Studium in Irland, dann in Berlin bei Hito Steyerl an der UdK, erforscht die türkischstämmige Künstlerin ihren Standpunkt in den gegenwärtigen sozialen Strukturen, als Vertreterin ihrer Generation, als Frau. In ihren Videoarbeiten "Displacement of a Self Portrait" von 2008-2012 versetzt sie sich selbst in vergangene Kultur- und Zeiträume und beschreibt damit Veränderungen, aber auch ihre Gemeinsamkeiten mit Idealen – z.B. mit Idolen aus den 1960er und 1970er Jahren –, immer auf der Suche nach neuen Räumen oder Möglichkeiten, verhärtete Strukturen aufzubrechen.  
Die bei Scotty Enterprises gezeigten Arbeiten Funda Özgünaydins sind von den politischen Ereignissen in der Türkei inspiriert oder werden durch diese neu reflektiert, so wie die Installation mit den zu Boden tropfenden Glühbirnen – eine Glühbirne schmückt die türkische AK Parti von Regierungschef  Recep Erdoğan. 
 
Funda Özgünaydin bleibt nach der Vernissage über Twitter und Facebook mit den BesucherInnen der Ausstellung in Kontakt, auch nachdem sie Ende August mit einem Stipendium des Berliner Senats wieder nach Istanbul abgereist ist. Die BesucherInnen der Galerie können von dort aus über Internet mit der Künstlerin kommunizieren und sich über die neuesten Ereignisse informieren.
 
C. Suhr