Deep Surface


from 2018/12/08 until 2019/01/06

Sabine-Linse-web

Deep Surface  
Karen Linnenkohl/Sabine Linse/Richard Schütz

Ausstellung 08.12.2018 - 06.01.2019
Eröffnung, 07.12.2018, 19 Uhr 


English: 

Deep Surface  
Karen Linnenkohl/Sabine Linse/Richard Schütz

Exhibition 08.12.2018 - 06.01.2019
Opening, 2018-December 07, 7 pm

Bild/Image: Sabine Linse, Fotografie im Umkreis von Illusions and Deceptions I: Paradise, 2009 
 

(English version below:)

Im Zentrum dieser Ausstellung im Rahmen des Jahresthemas "Vom Schein der Dinge" steht die Freude am täglichen Verwirrspiel: Wie weit können wir unserer Wahrnehmung trauen?
Bleibt sie nicht unweigerlich an der Oberfläche haften, führen immer genauere Beobachtungen, immer exaktere Untersuchungsverfahren nicht dazu, immer feinere Faltungen einer doch opaken Oberfläche zu ergründen? Was – ganz nebenbei – die Frage aufwirft: gibt es überhaupt ein Darunter oder nur eine immer tiefer gehende Faltung der Oberfläche?
Und: Was von dieser Oberfläche nehmen wir wirklich wahr? Was selektieren wir, was deuten wir hinzu? Wieviel mehr ist das, was wir für Wahr - Nehmung halten, durch unsere Erwartungen geprägt, so dass sie weit mehr die Spiegelung unserer Vorstellungen als eine unverstellte Aufnahme des Wahrgenommenen ist?
Deep Surface gibt keine Antworten auf diese Fragen, sondern greift das ohnehin bestehende Verwirrspiel auf und lädt ein, sich weiter darauf einzulassen.
Die Arbeiten von Karen Linnenkohl, Sabine Linse und Richard Schütz verführen auf unterschiedliche Weise dazu, sich mit den Abgründen, Verwirrungen und Imaginationen zu beschäftigen, die erscheinen, sobald wir über Sinne etwas Äußeres in uns aufnehmen.
Karen Linnenkohls Foto-Installation handelt von abgelegenen Räumen und Gegenständen, die sich im Laufe der Zeit dort angesammelt haben. Dingen, die zufällig abgestellt wurden, in Vergessenheit geraten sind und Spuren, die Generationen überdauert und durch andere, neu hinzugekommene teilweise überlagert und verdeckt wurden. Die Künstlerin arbeitet mit dem Mittel des Schnappschusses, der scheinbar zufälligen Aufnahme. Hier bleibt vieles nur angerissen, unscharf, nicht bis ins Letzte erkennbar.
Es bleibt dem Betrachter überlassen, die Angebote des Erkennbaren aufzugreifen, offene Stellen auszudeuten und der jeweiligen Situation einen Sinn zu geben.
Sabine Linses Inszenierungen sind von einer rätselhaft-absurden Atmosphäre durchdrungen, in der die Verbindung von Vertrautem und Unvertrautem eine Allianz des Komischen mit dem Unheimlichen entstehen lässt. Ihre Bildwelten werden von einer Logik bestimmt, die der der Träume verwandt ist: kausale und chronologische Verbindungen wechseln abrupt mit symbolischen und assoziativen. Das Unerwartete, Fremde erscheint mit einer nahezu harmlosen Selbstverständlichkeit. Die bisherigen Deutungsroutinen gleiten ab, die Scheinsicherheit der unbefangenen Wahrnehmung zerbricht, und der Betrachter wird zu spielerischen neuen Lesarten animiert.
Bezeichnend für die Fotografien von Richard Schütz ist die lakonische Abwesenheit einer Bilderzählung. Der Betrachter ist konfrontiert mit der Präsenz aufgegebener Konstellationen, zerfallender Ordnungssysteme und einer beunruhigenden Erfahrung von Leere in der Allgegenwart von Dinglichkeit. Dennoch ergibt sich ein fragiles Gleichgewicht in der Art und Weise wie alles im Bild zusammenkommt und zwischen dem Noch-Nicht und Nicht-Mehr-Sein besteht

English version:

Deep Surface adopts the year's theme: 'The Appearance of Things' by delving into the continuing issue of daily confusion: To what extent can we trust our perception?
Does it not inevitably cling to the surface? Do increasingly precise observations and ever more exact investigation methods not lead to a fathoming of ever finer folds of a nevertheless opaque surface? Which - by the way - raises the question: is there at all something which lies beneath, or is it just an increasingly deeper folding of the surface? What do we really percieve of this surface? What do we select, what do we add by interpretation? How much more what we consider to be perception is shaped by our expectations, so that is it much more the reflection of our imaginations than an unobstructed reception of the percieved?
Deep Surface does not offer any answers to these questions, but picks up on the already existing confusion and invites you to engage further. The works of Karen Linnenkohl, Sabine Linse and Richard Schütz each engage enticingly and differently with the abysses, confusions and imaginations that appear as soon as we receive sensory impressions.
Karen Linnenkohl's photo installation is concerned with remote spaces and objects that have accumulated over time. From things that were accidently set aside, to those which have been forgotten, and traces that have survived generations and which have in part been replaced and covered by newer versions.artist works with the medium of the snapshot, the seemingly coincidental photograph. Here, many things remain suggestively open, out of focus, unrecognisable to the very end. It is left to the viewer to pick up the offers of recognition, to interpret the vacancies themselves and make sense of the respective situation.
Sabine Linse's productions are permeated by a puzzling, absurd atmosphere in which the connection between the familiar and the unfamiliar creates an alliance between the comic and the uncanny. Their imagery is determined by a logic akin to that of dreams: causal and chronological connections change abruptly with symbolic and associative ones. The Unexpected, the Strange - they appear with the semblance of an almost harmless normality. The previous interpretation routines slip, the naive certainty of unbiased perception breaks and the viewer is stimulated to create new readings.
The laconic absence of a picture narrative is characteristic of Richard Schütz's photogaphs. The viewer is confronted with the presence of abandoned constellations, decaying classification systems and a disturbing experience of emptiness in the omnipresence of objecthood. Yet there is a fragile balance in the way that everything in the picture comes together and consists of Not-Yet and No-Longer-Being.